Sturzprävention ist bei Bechterew-Betroffenen besonders wichtig

Durch die häufig erhöhte Knochenbrüchigkeit und die mögliche Versteifung der Wirbelsäule können sich Bechterew-Betroffene bei einem Sturz rascher verletzen als andere. Es ist deshalb wichtig, dass sie sich mit möglichen Stolperfallen auseinandersetzen und diese wenn möglich zu vermeiden versuchen.

27. Mai 2022

Über 285 000 Personen verletzen sich pro Jahr durch einen Sturz. Besonders häufig geschieht dies zu Hause bei selbstverständlichen und alltäglichen Tätigkeiten. Ungefähr 60% der Sturzunfälle geschehen ebenerdig – meist dann wenn man es nicht erwartet. (Quelle: bfu)

Banale Unfälle oder Stürze, wie zum Beispiel Treppen- oder Stolperstürze, können bei Bechterew-Betroffenen bereits Knochenbrüche verursachen. Es gibt zwei Hauptgründe dafür, wieso Menschen mit Morbus Bechterew bei Stürzen einer grösseren Gefahr ausgesetzt sind: Erstens kann die Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) vor allem bei längerer Erkrankungsdauer erhöht sein. Zweitens ist eine versteifte Wirbelsäule, wie sie bei Bechterew-Betroffenen auftreten kann, aus mechanischen Gründen anfälliger, sich einen Bruch zuzuziehen.

Von den verschiedenen Körperteilen ist die Wirbelsäule am meisten gefährdet und durch eine mögliche Osteoporose ist die Gefahr einer Fraktur zusätzlich erhöht. Doch auch der Schenkelhals, die Speiche am Vorderarm sowie der Oberarmkopf von Bechterew-Betroffenen können leichter brechen.

Die erhöhte Frakturgefahr trifft nicht alle Bechterew-Betroffenen gleichermassen, da der Krankheitsverlauf sehr individuell sein kann. Deshalb sind regelmässige Kontrollen notwendig, um einer allfälligen Osteoporose vorzubeugen beziehungsweise sie behandeln zu können. Zudem reduzieren regelmässige Gymnastik und weitere sportliche Aktivitäten das Sturzrisiko. Von Sportarten mit erhöhter Unfallgefahr wird in diesem Zusammenhang jedoch eher abgeraten. Dazu gehören vor allem die sogenannten Kontaktsportarten wie Fussball, Hockey oder Boxen, bei denen die Gefahr einer Kollision oder eines Sturzes besteht.

Praktische Tipps zur Sturzprophylaxe zu Hause

Einige einfache Tipps können dabei helfen, die Sturzgefahr zu reduzieren:

  • Stolperfallen beseitigen (Teppiche, Absätze, herumliegende Kabel)
  • Rutschfeste Unterlagen im Badezimmer bevorzugen, insbesondere im Bereich der Dusche oder Badewanne
  • Gute Beleuchtung installieren, vor allem für die Nacht und im Bereich von Treppen
  • Regelmässige Gleichgewichtsübungen durchführen (z. B. mit Rheumafit.ch)

Korrektes Handeln nach einem Sturz

Lässt sich ein Sturz trotz allem nicht vermeiden, so ist es wichtig, dass die richtigen Massnahmen getroffen werden. Involvierte Hilfspersonen, Rettungssanitäter und Ärzte sollten sofort informiert werden, dass der Betroffene an Morbus Bechterew leidet und somit bei der Bergung besondere Vorsicht geboten ist. Da in Röntgenbildern bei Bechterew-Betroffenen Knochenbrüche, insbesondere an der Wirbelsäule, leicht übersehen werden können, ist es zudem wichtig, eine zusätzliche Bildgebung mittels einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanzaufnahme (MRI) durchzuführen.

Mehr darüber, was Menschen mit Morbus Bechterew und einer versteiften Wirbelsäule beachten sollten, wenn sie einen Unfall haben, erfahren Sie in folgendem «Explico»-Video: www.youtube.com/watch?v=gaTne7DkNmA