
Herr Breitschmid, welches waren Ihre Beweggründe, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen?
Für mich war von Anfang an klar, dass man sich gegen das Coronavirus impfen lassen sollte. Die Hauptgründe waren für mich, keine oder nur eine leichte Erkrankung zu bekommen und so das Gesundheitswesen zu schonen. Ich denke, je mehr Menschen sich impfen lassen, desto besser lässt sich die Pandemie bekämpfen. Nur so können wir endlich unsere Freiheit zurückbekommen und zum Beispiel auch wieder reisen, was ein grosses Hobby von mir ist. Ich sehe die Impfung auch als Akt der Solidarität.
Wegen Ihrer Biologika-Therapie gelten Sie als Risikopatient und erhalten deshalb zurzeit ja auch prioritär Zugang zur Impfung.
Aufgrund der Biologika-Therapie sowie Vorerkrankungen hat man mich im Vorfeld der Impfung sogar als «Hochrisikopatienten» bezeichnet. Ich habe deswegen aber nicht besonders grosse Angst. Schon als Kind machte ich eine schwere Lungenentzündung durch, was sich vor ungefähr zwei Jahren wiederholte. Husten und Schnupfen sind meine ständigen Begleiter. Ich denke auch, dass Bechterew-Betroffene mit einer versteiften Wirbelsäule tendenziell mehr Mühe haben, frei zu atmen. Weil ich auch sonst weitere Risikofaktoren, u.a. leicht erhöhten Blutdruck und das Risiko von Thrombosen (Thrombophilie) habe, wurde ich von der Rheumatologie des Kantonsspitals Aarau zur Impfung angemeldet.. Nicht, dass ich überängstlich wäre, denn ich habe nach dem Lockdown im letztenJahr auch wieder Reisen und Ausflüge in der Schweiz und Deutschland unternommen, selbstverständlich unter Einhaltung der Corona-Schutzmassnahmen.
Wurden Sie bezüglich Ihres prioritären Zugangs zur Impfung gut informiert?
Bei der Online-Anmeldung hiess es, man dürfe sich nur impfen lassen, wenn man über 75 Jahre alt sei. Gemäss Impfstrategie des Bundes können sich alle Personen impfen lassen, die bestimmte Vorerkrankungen oder eine immunsupprimierende Therapie haben – auch wenn sie unter 75 Jahre sind. Diese Personen, zu denen also auch Bechterew-Betroffene in einer Biologika-Therapie gehören, benötigen für die Anmeldung zur Impfung eine Bestätigung ihres Arztes. Dieses Vorgehen finde ich nachvollziehbar. In der Kommunikation gab es jedoch viel Verwirrung.
Bekamen Sie schnell einen Termin für die Impfung?
Nachdem die Missverständnisse geklärt waren und ich die Bestätigung meines Arztes hatte, bekam ich überraschend schnell einen Termin im Impfzentrum. Allerdings war die Kommunikation immer noch nicht optimal, zumal in der Terminbestätigung nochmals stand, man könne sich nur zur Impfung anmelden, wenn man über 75 Jahre alt ist. Ich nahm deshalb alle Unterlagen, vor allem natürlich die Bestätigung meines Arztes, zum Termin mit.
Wie lief die Impfung konkret ab? Gab es besondere Sicherheitsmassnahmen?
Die Impfung lief problemlos ab. Ich war eine Viertelstunde vor dem Termin beim Impfzentrum. Obwohl es extra ein Zelt zum Warten gab, wurde ich sofort reingebeten. Alle Angestellten und Zivilschützer waren sehr freundlich. Man merkte, dass sie möglichen Skeptikern die Angst nehmen wollen. Es wurde keine spezielle Schutzkleidung getragen, lediglich Masken und Handschuhe. Gespürt habe ich von der Impfung noch weniger als bei der jährlichen Grippeimpfung. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich durch die Biologika-Therapie ja an Spritzen und Infusionen gewöhnt bin. Nach der Impfung muss man noch eine Viertelstunde vor Ort bleiben, falls es Komplikationen geben sollte.
Wie ging es danach weiter?
Als ich zuhause war, spürte ich natürlich schon einen leichten Schmerz an dem Arm, an dem ich geimpft worden war – wie man es von anderen Impfungen auch kennt. In einigen Wochen folgt dann die zweite Dosis. Erst nach dieser hat man einen Schutz von 95%.
Hatten Sie keine Bedenken, weil der Impfstoff in so kurzer Zeit entwickelt und zugelassen wurde?
Nein, so viel Vertrauen habe ich in die Leute, die für die Entwicklung und Zulassung der Impfstoffe verantwortlich sind. Es wurde ja schon viele Jahre an dieser Impfstoff-Technologie geforscht. Ausserdem habe ich jedes Jahr die Grippeimpfung gemacht, seit ich in einer Biologika-Therapie bin, und hatte nie Nebenwirkungen. Natürlich weiss man noch nicht viel über allfällige Langzeitfolgen der Impfung. Wichtig ist, dass sie die Lebensqualität deutlich verbessern.
Was tun Sie sonst, um trotz Bechterew und Pandemie in Form zu bleiben?
Ich bin viel mit dem E-Bike unterwegs und war auch schon in den Aktivferien der SVMB auf Mallorca dabei. Für den Winter und weil im Moment ja sämtliche Fitnessstudios geschlossen sind, habe ich mir für zuhause einen Hometrainer angeschafft. Bei den Bechterew-Übungen gehöre ich wohl nicht zu den fleissigsten. Dass es immer mehr digitale Möglichkeiten für die Therapie gibt, zum Beispiel durch die Plattform «Rheumafit», schätze ich aber sehr.
Der Morbus Bechterew gilt an sich nicht als Risikofaktor und erlaubt zurzeit keinen prioritären Zugang zur Corona-Impfung. Das Immunsystem unterdrückende Therapien wie die beim Bechterew häufig eingesetzten Biologika hingegen gelten als Risikofaktor und erlauben den prioritären Zugang zur Corona-Impfung. Diese Personen brauchen, wenn sie unter 75 Jahre alt sind, eine Bestätigung eines behandelnden Arztes, um einen Termin für die Impfung zu bekommen.