Diagnose führte zur Linderung der Symptome bei einem Leichtathleten

Amerikanische Forscher berichten über einen 21-jährigen Leichtathleten. Seine Symptome wurden zunächst als instabiles Iliosakral-Gelenk und später als Übermüdungsbruch im Kreuzbein-Darmbein-Gelenk diagnostiziert. Weitere Abklärungen waren nötig, bis die richtige Diagnose gestellt wurde.

19. August 2017
Diagnose führte zur Linderung der Symptome bei einem Leichtathleten

TIMOTHY L. MILLER ET AL.

Ein 21-jähriger Weitspringer klagte über Verspannungen im rechten Oberschenkel und Schmerzen im Kreuz-Darmbein-Gelenk, die seit einer Woche andauerten. Die Beschwerden tauchten insbesondere beim Rennen und bei Sprüngen auf, nicht aber beim Gehen. Der Patient hatte bislang keine Verletzungen mechanischer Natur. Er litt allerdings an der chronischen Darmerkrankung Colitis ulcerosa und musste diesbezüglich auch schon operiert werden.

Als sich der junge Mann präsentierte, wurde er manuell untersucht. Hierbei konnten lokale Schmerzen rechtsseitig des Iliosakral-Gelenks ausgemacht werden. Hingegen waren die Kraft der hinteren Oberschenkelmuskulatur und der Gesässmuskel als auch die Hüft- und Wirbelsäulenbeweglichkeit normal. Die hintere Oberschenkelmuskulatur war beidseitig verspannt, was für den Athleten ebenso in der Norm lag. Auch Tests bei der seitlichen Beweglichkeit des Kreuz-Darmbeins, beim Sitzen zeigten keine Auffälligkeiten. Der Athlet hatte weder eine Quetschung noch Zerrung. Dennoch zeigten Untersuchungen bei der Beuge- und Spreizfähigkeit sowie der Aussenrotation, dass er an Schmerzen litt.

Unterschiedliche Reaktion auf Therapien

Der Leichtathlet erhielt die Verdachtsdiagnose eines instabilen Kreuz-Darmbein-Gelenks mit Funktionseinschränkungen. Als Therapie wurden ihm Ruhigstellung und antientzündliche Medikamente verordnet. Ferner wurde er mit elektrischer Muskelstimulation, Osteopathie und Physiotherapie behandelt. Trotz allem verbesserte sich sein Zustand nicht. Anschliessend bestand das Behandlungskonzept während drei bis fünf Wochen aus Physiotherapie, Stretching mit vorangehender Wärme- und nachfolgender lokaler Kältetherapie sowie aus elektrischer Muskelstimulation. Dadurch verbesserten sich die Symptome des Patienten merklich, und er konnte wieder zu 100 Prozent das Training aufnehmen und auch an den Wettkämpfen teilnehmen. Doch kaum hatte er die Physiotherapie beendet, kehrten die Beschwerden zurück. Deshalb machte er in den darauf folgenden sechs Monaten wieder die Bewegungsübungen.

Zehn Monate nach der Erstabklärung des Patienten, und nach einer Zeit ohne Bewegungstherapie, präsentierte sich der Weitspringer mit wiederkehrenden und nun stärker gewordenen Schmerzen im Iliosakral-Gelenk. Er musste sein Training reduzieren und wieder vermehrt Bewegungsübungen machen. Doch die Symptome verschlimmerten sich nun derart, dass er überhaupt nicht mehr trainieren konnte. Es stand gar zur Diskussion, ob er Krücken als Gehhilfe benötigte. Er erhielt antientzündliche Medikamente. Die Röntgenaufnahmen, die angefertigt wurden, zeigten keine Besonderheit an der Wirbelsäule. Eine Magnetresonanz-Tomographie (MRI) ergab u.a. eine Verletzung des rechten obersten Oberschenkelknochens und eine Entzündung des rechten Iliosakral-Gelenks. Irrtümlicherweise wurde dies als Übermüdungsbruch des Iliosakral-Gelenks diagnostiziert.

Diagnose nach Blut- und Genuntersuchung

Betreffend MRI wurde eine Zweitmeinung angefordert. Dabei wurden die Blutwerte untersucht und eine seronegative Spondylarthropathie festgestellt, dies mit erhöhten Entzündungszeichen am T2-Wirbel. Die antientzündliche Medikation wurde daher fortgesetzt. Der 21-jährige Athlet erhielt ein Therapieprogramm mit sanften Bewegungsübungen wie Aqua-Gymnastik, und zwar so lange, bis der Grund seiner Schmerzen erkannt war. Weitere Abklärungen zeigten beim Patienten u.a. eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit, einen überdurchschnittlich hohen Wert des c-reaktiven Proteins sowie auffällige Werte beim Serum-Kalzium-Level. Überdies wurde er auf HLA-B27 positiv getestet. Nun endlich wurde der Patient zum Rheumatologen geschickt, damit dieser ihm eine auf den Bechterew abgestimmte Behandlung ermöglichen würde.

Der Weitspringer erhielt für die tägliche Einnahme das nichtsteroidale Antirheumatikum Indomethacin verschrieben und begann mit einem Aufbautraining mit zunächst leichtem Laufen, Springen und Gewichtheben. Innerhalb von vier Wochen medikamentöser Behandlung verschwanden die Schmerzen komplett. Er konnte wieder beschwerdefrei an Leichtathletik-Wettkämpfen teilnehmen. Nach seinem Studienabschluss beendete er seine sportliche Laufbahn.

Auch ein Jahr nach seinem Universitätsabschluss lebte er praktisch symptomfrei und konnte ohne Probleme über 20 Kilometer in der Woche rennen. Beim Basketball-Spielen spürte er ab und zu Schmerzen auf der rechten Seite des Iliosakralgelenks. Medikamente musste er keine mehr einnehmen.

Sportärzte sollten früher Rheumatologen miteinbeziehen

Der Fallbericht des 21-jährigen Leichtathleten ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich. Seine Vorgeschichte mit Colitis ulcerosa sowie die Schmerzen im Ileosakralgelenk waren bereits Anzeichen für einen möglichen Bechterew. Die Diagnoseverzögerung könnte damit zusammenhängen, dass Sportärzte bei Athleten mit Schmerzen lange Zeit nach einer Sportverletzung oder Überbelastung suchten und dabei mögliche rheumatische Ursachen ausklammerten.

Mit diesem Bericht möchten die Autoren sowohl Sportmedizinern als auch Trainern und anderen medizinisch geschulten Personen ins Bewusstsein schärfen, dass sie bei Athleten mit Schmerzen früher an eine mögliche rheumatische Ursache wie Bechterew denken sollten. So erhoffen sich die Autoren eine frühere Diagnose und eine entsprechend angepasste Behandlung, wodurch die Symptome rascher gelindert werden können. Dies würde auch zu einer Verbesserung der sportlichen Leistung führen.

Timothy L. Miller; Nathan Cass, Courtney Siegel: «Ankylosing Spondylitis in an Athlete with Chronic Sacroiliac Joint Pain». In: Orthopedics, 2014 Feb 1;37 (2):e207-10. Sports Medicine Center, The Ohio State University. Columbus, Ohio.