«Durch Taiji wird man geschmeidiger»

Peter Staub aus Zürich macht seit 24 Jahren Taiji. Darauf gestossen ist er über einen Event der SVMB. Seither übt er mehrmals pro Woche. Die Bewegungen des Taiji seien sehr wohltuend. Und: Vielleicht habe er auch deshalb heute weniger Schmerzen.

28. Oktober 2021
Peter Staub bei einer Taiji-Übung

Herr Staub, was hat Sie dazu bewogen, mit Taiji zu beginnen?

Meine erste Erfahrung mit Taiji machte ich anlässlich einer Veranstaltung der Bechterew-Vereinigung in Bad Zurzach zum Thema «Traditionelle Chinesische Medizin» (TCM). Ein Physiotherapeut führte uns in die «Fünf Elemente», eine leichte, spielerische Form des Taiji, ein. Daraufhin schloss ich mich einer Taiji-Schule in Zürich an, wo ich seither einmal pro Woche in einer Gruppe Taiji und Qigong praktiziere. Davor machte ich Bechterew-Gymnastik und Sport. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, mit Taiji zu beginnen.

Empfehlen Sie interessierten Betroffenen, am Anfang einen Kurs zu besuchen?

Ja. Denn ich denke, es ist schwierig, Taiji allein zu lernen. Es ist ein völlig anderes Bewegungsprinzip, es dauert längere Zeit, sich daran zu gewöhnen. Es braucht viel Geduld, Durchhaltermögen und Sturheit, bis man die Übungen selbstständig durchführen kann. Bis heute besuche ich jede Woche einen Kurs und übe zusätzlich drei- bis viermal pro Woche zu Hause.

Weshalb sind Sie drangeblieben?

Taiji ist eine komplexe Bewegungspraxis, die man nur erlernen kann, wenn man über viele Jahre regelmässig übt. Fürs Durchhalten wird man allerdings reich belohnt. Ich kann nach mittlerweile 24 Jahren Taiji-Praxis immer noch dazulernen, was mir als Lernfreudiger Spass macht. Man lernt einen Bewegungsablauf, eine sogenannte Form, die man nach einigen Jahren recht gut beherrscht. Dann kann man sich verstärkt der inneren Wahrnehmung zuwenden und schliesslich die Bewegungen mental initiieren und steuern. Die lockere, entspannte und aufrechte Bewegung, die man im Taiji anstrebt, ist sehr wohltuend.

Welche Wirkungen hat das bei Ihnen auf den Bechterew? Und was sollten Bechterew-Betroffene beachten?

Viele Bechterew-Betroffene machen die Erfahrung, dass sie sich wie in einem Panzer eingesperrt fühlen. Taiji kann ein Weg sein, wieder geschmeidiger zu werden und diese Wohlfühlqualität zu finden. Allerdings können nicht alle, die das möchten, diesen Weg gehen. Wer schon stark versteift ist, kann allenfalls einfachere Qigong-Übungen bewältigen. Wer noch gut beweglich ist und die Schmerzen unter Kontrolle hat, kann einen Versuch wagen. Jeder und jede merkt dann bald, ob Taiji so viel Spass macht, dass sich ein langjähriger Einsatz lohnt. Regelmässiges Üben zusätzlich zur Gruppenstunde ist notwendig und darum braucht man genügend Platz in der Wohnung oder Zugang zu einem Übungsraum. Man kann natürlich auch draussen üben.

Können Sie auch bei Schmerzen üben?

Bei starken Schmerzen zu üben, halte ich nicht für eine gute Idee. Bei mir sind allerdings die Schmerzattacken, vielleicht nicht zuletzt wegen meiner Taiji-Praxis, seltener geworden.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Peter-Staub macht Taiji

Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift «vertical» Nr. 90/November 2021 erschienen.